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Potentialanalyse (bis 2009 Assessment-Center)

 

Assessment Centers (AC) sind in der Wirtschaft verbreitet, um aus mehreren KandidatInnen den oder die geeignete BewerberIn für eine bestimmte Stelle auszuwählen oder um TeilnehmerInnen ein klares Stärken/Schwächen-Profil und Empfehlungen zu geben. Diese Funktion hat auch das AC, das in der w@lz seit ihrer Gründung zum Einsatz kommt: Es soll den Jugendlichen eine differenzierte Rückmeldung zu ihren individuellen Stärken und Entwicklungsfeldern geben. Daraus werden Lernziel- und Entwicklungsvereinbarungen mit dem/der MentorIn abgeleitet, die eine Fokussierung auf ein persönliches Lernprogramm unterstützen sollen.

Während sich das Mädchen, das in der letzten Gruppe am besten abschnitt, mit einem Dank und „ich habe heute viel gelernt“ verabschiedete, war ihr Jahrgangskollege am Schluss etwas schnoddriger: „Wie lange braucht ihr um rauszufinden, dass ich der beste bin?“ war seine Frage an die beginnende BeobachterInnen-Konferenz. Vorher hatten die Jugendlichen einen Tag lang Aufgabenstellungen wie bei einem „richtigen“ Assessment Center absolviert:
Gruppendiskussion, Präsentation, Rollenspiel, Teamaufgabe, Postkorb-Übung.

Dabei wurden sie durchgängig von geschulten BeobachterInnen bewertet. Am Abend des Assessment-Tages wurden die Einzel-Einschätzungen strukturiert ausgewertet und die BeobachterInnen mussten sich auf eine gemeinsame Bewertung einigen, mit Unterstützung der anderen Empfehlungen ausarbeiten und das Feedback-Gespräch vorbereiten. Die Ergebnisse waren verbale Beschreibungen von zehn Beobachtungs-Kriterien, ein Ranking auf einer Skala für jedes Kriterium und eine verbale Zusammenfassung von Stärken, Schwächen und Empfehlungen.

Die dabei verwendeten Kriterien und Instrumente stammen aus dem Repertoire professioneller Assessment Center, wie sie die Trigon Entwicklungsberatung seit zwanzig Jahren in Unternehmen und Non-Profit-Organisationen einsetzt. Die Aufgabenstellungen wurden für die Zielgruppe der w@lzistInnen angepasst und maßgeschneidert. Gleichzeitig mit der persönlichen Rückmeldung sammeln die TeilnehmerInnen damit auch Erfahrungen mit dem Instrument AC, die für spätere Bewerbungssituationen und ihre „Employability“ sicher von Nutzen sind.

Die Jugendlichen des Jahrgangs Zeta, die letzten September das nun schon Tradition gewordene Assessment Center in der w@lz absolvierten, gingen mit gemischten Gefühlen in die vorweg schwer einzuschätzende Anforderung. Fast ohne jegliche Anlaufzeit schienen sie dann aber großen Spaß bei den Aufgaben zu haben – sie haben die Herausforderung angenommen, ihre Stärken zu zeigen und haben außer der Selbsterfahrung auch detailliertes, strukturiertes und sorgfältig abgestimmtes Feedback im Einzelgespräch erhalten.

Die Beobachter-Konferenz dauerte übrigens bis weit nach elf Uhr abends und fand unter anderem auch heraus, dass unser zitierter herausfordernder Teilnehmer nicht ganz der beste der Gruppe war, aber dafür beim Kriterium „Leadership“ recht gut abschnitt.

Franz Biehal